Sammlung Daimler
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Die Daimler Kunst Sammlung, die 1977 mit dem Ankauf eines Gemäldes von Willi Baumeister begründet und seither kontinuierlich und mit konzentriertem Engagement ausgebaut wurde, umfaßt derzeit rund 1800 Arbeiten von mehr als 600 Künstlerinnen und Künstlern.

Ein Bild der Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert

Die Werke - vorrangig Malerei, aber auch Skulptur und Graphik, wobei die Graphik aus Gründen konservatorischer Rücksichtnahme von wenigen Ausnahmen abgesehen ausgeklammert bleiben muß - zeichnen ein Bild der Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert mit schwerpunktmäßigem Bezug zum südwestdeutschen Raum (Die Stuttgarter Avantgarde - Von Hölzel zum Bauhaus - Die 'Konkreten': Die Ulmer Hochschule für Gestaltung, die Züricher Konkreten, Verbindung zu 'De Stijl' - Informelle Tendenzen - Die Stuttgarter Schule der 60er Jahre - Figürlich-expressive Tendenzen um die Karlsruher Akademie und HAP Grieshaber).

Wichtige künstlerische Richtungen und Gruppierungen sind mit repräsentativen und qualitativ hochrangigen Arbeiten ihrer Protagonisten vertreten, das heißt, die Sammlung verfolgt bewußt nicht den Anspruch, in musealer Breite und Vertiefung ihr historisches Feld abzudecken.

Werke der jüngeren Generation:
Ausdifferenzierung eines Sammlungsschwerpunktes

In Ergänzung und Erweiterung dieses an sich schon weit gesteckten Rahmens wurden in den vergangenen Jahren Arbeiten jüngerer regionaler, deutscher und internationaler Künstlerinnen und Künstler hinzuerworben. An ihnen wird zum einen das Fortwirken und die Ausdifferenzierung eines Sammlungsschwerpunktes - die reduzierte, konstruktiv-konkrete Richtung der Kunst des 20. Jahrhunderts - in die unmittelbare Gegenwart hinein ablesbar.
Zum anderen führen diese Werke der jüngeren Generation repräsentative Positionen der Malerei in den 90er Jahren vor Augen.

Adolf Hölzel; Oskar Schlemmer; Josef Albers

In das erste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts datieren zwei Kompositionen Adolf Hölzels und bilden so chronologisch den Auftakt der Sammlung.
Hölzel, der 1905 an die Stuttgarter Akademie berufen wurde, zählte u.a. Willi Baumeister, Camille Graeser, Otto Meyer-Amden, Oskar Schlemmer und Johannes Itten zu seinen später prominenten Schülern; sie sind mit - den Entwicklungsgang nachzeichnenden - Werkgruppen bzw. repräsentativen Einzelwerken vertreten.

Schlemmer - dem mit neun Arbeiten aus drei Jahrzehnten innerhalb der Kunst Sammlung Daimlerbesonderes Gewicht zukommt - war von 1921-28 als Lehrer am Bauhaus in Weimar und Dessau tätig. Die zwei Arbeiten aus dieser Zeit im Rahmen der Auswahl werden um Bilder aus der Zeit der Verfemung ergänzt. Der künstlerische Weg der amerikanischen Jahre (1933 bis 1975) von Josef Albers, dessen Biographie ebenfalls wesentlich durch Studium und Lehrtätigkeit am Bauhaus geprägt wurde, ist an drei hochrangigen Werkbeispielen ablesbar.

Max Bill

Ein weiterer Schwerpunkt der Daimler Kunst Sammlung ist Max Bill gewidmet, der am Dessauer Bauhaus bei Schlemmer, Kandinsky und Klee studierte und 1950 Mitbegründer sowie erster Rektor der Ulmer Hochschule für Gestaltung war. In Paris wurde Bill Mitglied der 1931 gegründeten Gruppe "abstraction - création", der u.a. auch die in der Sammlung vertretenen Künstler Arp, Baumeister und Vantongerloo angehörten.
Die letztgenannten bilden zusammen mit Camille Graeser, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse den Kern der "Zürcher Konkreten", deren Wortführer und theoretischer Kopf bis in die 60er Jahre hinein Max Bill blieb.

Entwicklung der konkreten Kunst in Deutschland

Friedrich Vordemberge-Gildewart - kurzzeitiger Student am Bauhaus in Weimar und Dessau, Mitglied von 'De Stijl', Mitbegründer von 'die abstrakten hannover', mit Bill befreundet und späterer Lehrer an der Ulmer Hochschule - berührt alle diese Kreise und kann als wichtigster Pionier der konkreten Kunst in Deutschland angesehen werden.

Der Rückgriff auf und die Weiterentwicklung von diesen Ursprüngen einer 'konkreten', konstruktiv -abstrakten Kunst lassen sich innerhalb der Sammlung ablesen etwa an den Werken von Adolf Fleischmann, Hartmut Böhm, Andreas Brandt, Ulrich Erben, Gottfried Honegger, Günther Fruhtrunk, Karl Gerstner, Manfred Mohr, Anton Stankowski bis zu den Werken der jüngeren Gerold Miller, Greg Bogin oder Martin Gerwers

Die informellen Tendenzen und die gegenständlich orientierte Gegenbewegung

Die informellen Tendenzen sind in der Sammlung beispielhaft präsent mit den Namen Baumeister, Berner, Brüning, Dahmen, Hoehme, Kuhn, Meistermann, Thieler, Winter, die gestischen Weiterentwicklungen werden sichtbar im Werk von Schoofs und Sonderborg. Daneben die gegenständlich orientierte Gegenbewegung zum Informel mit Schmidt, Radziwill und ihren Vorläufern Hubbuch und Schad (auch Wintersberger und Willikens wären in diese Entwicklungslinie einzuordnen), sowie die figürlich-expressiv bestimmte Karlsruher Schule mit ihrer 'Vaterfigur' HAP Grieshaber, mit Antes, Krieg und Stöhrer.

'Zero' und die 'Neuen Tendenzen'

'Zero' und die 'Neuen Tendenzen' als europäische Bewegungen sind mit den Namen Castellani, Mavignier, Morellet und Staudt vertreten. Einzelgänger innerhalb dieses Spektrums, die verschiedenen Strömungen berührend und sich von diesen abstoßend, sind Ruprecht Geiger - der mit insgesamt sechs Arbeiten in der Kunst Sammlung Daimlereinen deutlichen Akzent setzt -, Alfonso Hüppi, Otto Ritschl und Fritz Ruoff.

Andy Warhols "Cars"

Einen eigenen Sammlungsaspekt repräsentieren Andy Warhols Arbeiten aus der im Auftrag von Daimler-Benz 1986/87 entstandenen, durch den Tod Warhols unvollendet gebliebenen Serie "Cars". Von 80 geplanten Bildern, die anhand 20 ausgewählter Mercedes-Typen die Firmengeschichte dokumentieren sollten, konnte der Künstler lediglich 35 Bilder und 12 Zeichnungen ausführen.

Postionen der 80er und 90er Jahre

Wichtige Positionen schließlich der deutschen und internationalen Malerei der 80er und 90er Jahre spiegeln die Künstler Buren, Edzgveradze, Erben, Förg, Heizer, Knoebel, Lachauer, Näher, Scharein oder Villinger.
Der Übergang vom traditionellen Tafelbild zum wandbezogenen Objekt und die Einbeziehung neuer Medien wird an den Arbeiten von Brandmeier, Koliusis, Paik, Rademacher, Roehr, Sanguineti, Schuler und Westerwinter an prägnanten Einzelwerken ablesbar.